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Genetische Vielfalt bei Bienen

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Die Notwendigkeit genetischer Vielfalt

Für jede Spezie, die sich durch sexuelle Fortpflanzung vermehrt, ist die genetische Vielfalt entscheidend für ihre Gesundheit und ihren Bestand. Fehlende Vielfalt führt dazu, dass die Population gegenüber neuen Krankheiten, Schädlingen oder anderen Problemen verletzlich ist. Eine hohe Vielfalt verbessert die Chancen, die notwendigen Eigenschaften zu bilden, die zum Überleben nötig sind. Dieser Bedarf scheint mit dem Konzept der selektiven Zucht übereinzustimmen, und das tut er auch in gewissem Maße. Bei der selektiven Zucht wird ausgewählt, das bedeutet, dass Sie versuchen, diejenigen Merkmale nicht zu züchten, die Sie nicht mögen. Dies begrenzt den Genpool – wenn auch auf eine positive Art – aber es grenzt dennoch die Vielfalt immer weiter ein, weil Sie aus einer immer weniger breiten Vielfalt von Vorfahren auswählen können. Unabhängig davon, ob Sie an die Schöpfung oder an die Evolution glauben, hat die sexuelle Fortpflanzung in jedem Fall eines zum Ziel: Vielfalt. Die Königin paart sich mit nicht nur einer, sondern mit mehreren Drohnen und die Stöcke produzieren viele Drohnen, um ihre Gene draußen zu verbreiten. Selbst ein Stock, der keine Königin hat, und zum Aussterben verdammt ist, wird noch Drohnen nach draußen schicken, damit seine Gene im großen Genpool überleben. Jede Krankheit begrenzt diesen Pool nur auf diejenigen, die die Krankheit überleben können und jeder neue Schädling begrenzt den Pool nur auf die Wesen, die den Schädlingsbefall überleben.

Wir als Bienenzüchter tragen dazu bei, diesen Pool noch kleiner zu machen, indem wir eine Königin aussuchen und dann aus dieser einen Tausende von neuen Königinnen züchten. Das ist etwas, was in der Natur in dieser Form nie passiert ist. Indem wir Königinnen von ein paar Züchtern kaufen, die dasselbe machen und auf denselben begrenzten Pool zurückgreifen, schränken wir die Vielfalt noch weiter ein. Und je kleiner wir den Genpool machen, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass sich darunter noch Gene finden, die in der Lage sind, den nächsten Angriff von Krankheiten oder Schädlingen zu überleben. Das sind schaurige Aussichten. Wir ignorieren die den Bienen eingebaute Geschlechtskontrolle durch ihre Allel-Eigenschaft, die den Erfolg von inzüchtigen Bienen begrenzt. Eine aus Inzucht erzeugte Bienenfamilie hat viele diploide (befruchtete) Drohneneier (weil sich ähnliche Geschlechtsallele aufreihen), deren Entwicklung die Bienen nicht zulassen werden.

Wildbienen haben die Vielfalt beibehalten

Die Vielfalt im Genpool ist über viele Jahre hinweg von Wildbienen erhalten worden. In den letzten Jahren ist jedoch auch diese Vielfalt durch den Einfluss von Krankheiten, Schädlingen und nicht zuletzt durch den Verlust von Lebensraum, den Einsatz von Pestiziden und die Angst vor AHB eingeschränkt worden.

Was können wir tun?

Wir sollten nicht solche Bienen vermehren, die nur einen begrenzten Genpool haben und dann erwarten, dass sie überleben können oder gar widerstandfähig sind. Was können wir also unternehmen, um die Genvielfalt zu fördern und gleichzeitig die Bienen, die wir züchten, zu verbessern?

Wir können unsere Perspektive ändern: statt die beste Königin, die wir haben, als Mutter auszusuchen und die zweitbeste als Drohnenmutter zu bestimmen, sollten wir nicht nur darüber nachdenken, welche Eigenschaften wir mit der Zucht wegzüchten wollen. Anders gesagt: wenn eine Königin schlechte Eigenschaften hat, wenn sie zum Beispiel schlecht gelaunte Arbeiter produziert, dann rotten wir diese aus. Wenn die Arbeiter aber gute Eigenschaften haben, dann sollten wir sie nicht nur wegen der Genetik der besten Königin ersetzen, sondern versuchen, ihre Linie aufrechtzuerhalten, indem wir Teilungen vornehmen, Königinnen heranziehen oder Drohnen aus dieser Linie benutzen. Benutzen Sie nicht dieselbe Mutterkönigin für alle neuen Bienenschübe. Ersetzen Sie nicht die Königin in Wildstöcken, die Sie finden oder die Sie fangen. Wenn ein Stock aggressiv ist, aber andere gute Eigenschaften hat, dann versuchen Sie, einen Tochterstock heranzuziehen, um zu sehen, ob Sie die schlechten Eigenschaften so loswerden können, anstatt einfach die Königin zu ersetzen. Züchten Sie Ihre Bienen aus örtlichen Wildstöcken statt mit kommerziellen Königinnen. Selbst wenn Sie Ihre Bienen aus kommerziellen Bienen züchten, werden Sie sich mit Wildbienen paaren. Unterstützen Sie kleine lokale Königinnenzüchter, damit möglichst viele genetische Linien erhalten bleiben. Teilen Sie mehrere Stöcke und lassen Sie sie ihre eigenen Königinnen heranziehen, statt einfach neue Königinnen zu kaufen, damit jede Kolonie ihre eigene genetische Linie fortführen kann.

Michael Bush

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