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Nosemaseuche

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Persönliche Bienenzuchtphilosophie

Viele Entscheidungen bezüglich Methoden hängen von Ihrer persönlichen Bienenzuchtphilosophie ab. Manche Menschen vertrauen auf die Natur, den Schöpfer oder die Evolution, um die Dinge zu regeln. Andere sind besonders daran interessiert, ihre Bienen ohne Chemikalien und Behandlungen gesund zu erhalten. Sie müssen selbst entscheiden, wie Sie zu diesen Themen stehen.

Organisch

Wenn Sie eher von der Sorte Mensch sind, die ein Kräuterrezept ausprobieren, bevor sie zum Arzt gehen, dann gehören Sie wahrscheinlich in diese Kategorie. Wirklich organisch würde bedeuten: überhaupt keine Behandlungen. Manche werden jetzt sagen, dass das unmöglich ist, aber es gibt viele Menschen, mich eingeschlossen, denen genau das gelingt. Viele sind im Internet aktiv und helfen sich gegenseitig. Dann gibt es einige „weiche“ Behandlungen mit ätherischen Ölen und FGMO, dann die etwas „härteren“ Behandlungen wie Ameisensäure oder Oxalsäure bei Varroa.

Chemisch

Wenn Sie eher zu der Sorte Mensch gehören, die beim ersten Niesen zum Arzt rennen, um Antibiotika zu besorgen, dann gehören Sie wahrscheinlich eher zu dieser Gruppe. Manche behandeln hier auch präventiv. Meiner Meinung nach behandeln die Klügeren nur dann, wenn es wirklich notwendig ist. Die meisten der neuesten Forschungen zeigen, dass präventive Behandlungen mehr Widerstandskraft der Schädlinge gegen die Chemikalien hervorgerufen und wenig dazu beigetragen haben, dem Stock zu helfen; das Gegenteil ist der Fall. Die Ansammlung von Chemikalien im Wachs, wie zum Beispiel von Coumaphos (Check Mite) oder Fluvalinat (Apistan), die gegen Varroamilben eingesetzt werden, ist vermutlich der Grund für hohe Raten an stiller Unweiselung sowie oft die Ursache von Unfruchtbarkeit bei Drohnen und Königinnen.

Wissenschaft vs. Kunst

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""Wer daran gewöhnt ist, nach dem Gefühl zu urteilen, versteht den Denkprozess nicht, weil er keine Erfahrungen darin hat, Prinzipien zu folgen. Andere wiederum, die üblicherweise anhand von Argumenten nachdenken, verstehen Gefühlsangelegenheiten nicht, sondern suchen in ihnen nach Logik und sehen sie auf den ersten Blick nicht."—Blaise Pascal

Die Frage, ob Sie die Bienenzucht als eine Kunst oder eher als Wissenschaft ansehen, wird Ihre gesamte Perspektive beeinflussen. Ich persönlich denke, dass die Zucht etwas von beidem hat. Aber da die Bienen auch allein recht gut dazu in der Lage sind, zu überleben, und wir sie eigentlich nicht zwingen können, etwas Bestimmtes zu tun, denke ich, dass es sich mehr um eine Kunst handelt, bei der Sie in der Arbeit mit den Bienen deren natürliche Veranlagungen unterstützen – sowohl zum Vorteil der Bienen als auch zu Ihrem eigenen.

Projektumfang

Dies ist ein weiteres Element, dass Ihre Sicht auf die Dinge beeinflusst. Wenn Sie Zeit mit Ihren Stöcken verbringen können und sich die Stöcke in Ihrem Garten befinden, dann ist es kein Problem, Methoden anzuwenden, bei denen Sie jede Woche etwas Bestimmtes an den Stöcken arbeiten müssen. Wenn ich zum Beispiel in meinem eigenen Garten die Königin ersetzen möchte, dann stört es mich nicht, wenn ich dreimal in den Stock schauen muss, um sicherzustellen, dass die neue Königin gut angenommen wird. Wenn meine Stöcke aber in 100 km Entfernung stehen, dann möchte ich etwas nur einmal erledigen und damit wirklich das Problem gelöst haben. Wenn Sie ein Problem nur in zwei Stöcken angehen müssen, dann machen Sie sich sicher keine Sorgen darüber, wie kompliziert das sein mag. Wenn Sie aber Hunderte von Stöcken bearbeiten müssen, dann brauchen Sie ein straff organisiertes System.

Gründe für die Bienenzucht

Viele Entscheidungen hängen hiervon ab. Wenn Sie Bienen als „Haustiere“ halten, dann haben Sie einen anderen Arbeitsplan, als wenn Sie sie nur deshalb haben, um ein Einkommen zu schaffen.

Nosemaseuche

Die Nosemaseuche Nosema apis wird von einem Pilz verursacht (der zu den Protozoonen gehört). Die Seuche ist allgegenwärtig und eine opportunistische Krankheit. Die übliche chemische Lösung, die ich nicht benutze, hieß Fumidil und wurde inzwischen in Fumagilin-B umbenannt. Meiner Meinung nach ist die beste Vorsorge, den Stock möglichst gesund zu halten, ihn nicht zu stressen und Honig zu füttern. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Füttern von Honig, insbesondere von dunklem Honig, als Winterfutter das Auftreten von Nosema unwahrscheinlicher macht. Forschungen, die in Russland in den 70er Jahren durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass natürliche Abstände (32 mm statt den üblichen 35 mm) das Auftreten von Nosema verringern.

Meiner Meinung nach tragen Feuchtigkeit im Stock während des Winters, langes Gefangenhalten und das Füttern von Zuckersirup dazu bei, dass die Krankheit häufiger auftritt. Wenn es denn sein muss: füttern Sie Zuckersirup, wenn Sie keinen Honig haben und Sie damit einem schwachen Volk oder einem Ablegerstock helfen können. Füttern Sie im Herbst Zuckersirup, ehe Ihre Bienen verhungern, aber meiner Meinung nach sollten Sie den Bienen Honig für ihre Wintervorräte übriglassen.

Wenn Sie eine Lösung suchen, aber keine „Chemikalien“ verwenden wollen, aber kein Problem mit ätherischen Ölen haben, dann sollten Sie Thymol oder Zitronengras-Öl in Sirup versuchen, was als Behandlung recht effektiv ist. Dabei sollten Sie aber nicht vergessen, dass Sie damit auch viele nützliche Mikroben im Stock abtöten. Symptome sind ein geschwollener weißer Verdauungskanal und Ruhr, wenn Sie eine Biene auseinandernehmen. Verlassen Sie sich nicht nur auf die Ruhr. Alle Bienen, die gefangengehalten werden, bekommen die Ruhr. Manchmal fressen Bienen verdorbenes Obst oder andere Dinge, die ihnen die Ruhr geben, aber das muss nichts mit der Nosemaseuche zu tun haben. Die einzige sichere Diagnose liegt darin, den Nosemaorganismus unter dem Mikroskop zu entdecken.

Ich werde Ihnen ein paar Dinge berichten, die Ihnen helfen werden, einen Eindruck davon zu bekommen, wie notwendig (oder nicht notwendig) es ist, der Nosemaseuche vorzubeugen. Zunächst sollten Sie sich klarmachen, dass viele Bienenzüchter, einschließlich mir, die Seuche noch nie behandelt haben. Nicht nur, weil es viele Züchter gibt, die keine Antibiotika in ihre Stöcke geben wollen, sondern weil viele Bienenzüchter auf der Welt laut Gesetz keinen Zugang zu Fumidil haben. Ich bin mit Sicherheit nicht die einzige Person, die denkt, dass es eine schlechte Idee ist, Fumidil in einen Stock zu geben. Die Europäische Union hat es für die Bienenzucht verboten. Es ist also eine illegale Substanz. Warum? Es wird vermutet, dass es Behinderungen verursacht. Fumagillin kann die Bildung von Blutgefäßen verhindern, indem es sich an das Enzym Methionin Aminopeptidase anbindet.

Gendeletionen durch Methionin Aminopeptidase 2 führen zu Defekten in der Gastrulation des Embryos und zu unkontrolliertem Wachstum von Endothelzellen. Was wird in der EU zur Behandlung benutzt? Thymolsirup.

Warum Sie Fumidil vermeiden sollten. Welche Gefahren birgt Fumidil für Ihren Stock? Das ist schwer mit Genauigkeit zu beantworten, aber von all den Chemikalien, die die Leute in ihre Stöcke kippen, ist es wahrscheinlich eine der weniger gefährlichen. Es zersetzt sich schnell. Es scheint auf den ersten Blick nicht viele Nachteile zu haben. Aber wenn Sie eine organische Lebensphilosophie vertreten, dann fragen Sie sich doch trotzdem, warum Sie eigentlich Ihrem Stock Antibiotika zuführen. Ich möchte auf jeden Fall keine in meinem Honig haben und so wie ich es sehe, endet alles, was Sie dem Stock zuführen, früher oder später im Honig. Bienen bewegen die ganze Zeit alle möglichen Dinge. Jedes Buch, dass ich über Honigwaben gelesen habe, spricht davon, wie die Bienen den Honig aus der Brutkammer hoch in das Honiglager transportieren. Es ist zwar nett, sich vorzustellen, dass man die Chemikalien nur in einem bestimmten Bereich des Stocks anwendet, aber letztendlich ist es dasselbe, wie von einem Pool zu sprechen, in dem das Pinkeln nur in einem Bereich verboten ist.

Mikrobisches Gleichgewicht

Was richten Antibiotika mit dem natürlichen Gleichgewicht in einem natürlichen System an? Die Erfahrungen mit Antibiotika zeigen, dass sie die natürliche Flora egal welchen Systems durcheinanderbringen. Sie töten eine Menge Dinge, die ihren Sinn hatten, zusammen mit anderen, die es nicht geben sollte, und hinterlassen ein Vakuum, das von jedem Organismus gefüllt werden kann, der wachsen kann. Probiotika sind bei Menschen, Pferden und anderen Tieren inzwischen modern, vor allem auch deshalb, weil wir ständig Antibiotika konsumieren und damit die natürliche Flora unseres Verdauungssystems durcheinanderbringen. Leben in einem Bienenstock mit den Bienen nützliche Mikroorganismen? Wie werden sie von Fumidil beeinträchtigt? Klar, es ist nicht wissenschaftlich von mir, anzunehmen, dass es so ist, ohne Studien vorzuweisen, die das belegen, aber meine Erfahrung sagt mir, dass alle natürlichen Systeme sehr komplex gestaltet sind, bis hinunter auf die mikroskopische Ebene. Und ich möchte es nicht riskieren, dieses Gleichgewicht durcheinanderzubringen. Dann ist da natürlich noch das Argument, dass die Substanz in den meisten Teilen der Welt verboten ist, eben weil sie in Säugetieren Geburtsfehler verursacht. http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0033188

Schwache Bienen aufpäppeln

Aus der wissenschaftlichen Perspektive wird dieser Punkt wohl geradezu beleidigend klingen. Aber ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken sollte. Wenn Sie ein Bienenzuchtsystem schaffen, das von Pestiziden und Antibiotika am Laufen gehalten wird und das Bienen hervorbringt, die ohne ständige Behandlung nicht überlebensfähig wären, ist das aus meiner organischen Bienenzuchtperspektive völlig kontraproduktiv. So fahren wir einfach nur damit fort, Bienen zu züchten, die ohne uns nicht leben könnten. Vielleicht ist es für manche Leute ein befriedigendes Gefühl, von ihren Bienen gebraucht zu werden. Ich weiß es nicht. Aber ich würde Bienen vorziehen, die auf sich selber aufpassen können und das auch tun.

Welche anderen nicht-organischen Praktiken können zur Verhinderung der Nosemaseuche beitragen?

Nosemaseuche stärken?

Während die nicht-organische Fraktion glauben möchte, dass das Füttern von Zucker statt Honig der Seuche vorbeugen könnte, sehe ich überhaupt keine Anhaltspunkte, das zu glauben. Es ist möglich, dass Honig mehr Festkörper besitzt und deshalb mehr Durchfall verursachen kann, aber auch wenn Durchfall ein Symptom von Nosemaseuche ist, so hat dieser Durchfall damit nichts zu tun. Anders ausgedrückt: nur weil die Bienen Durchfall haben, heißt das nicht, dass sie an der Nosemaseuche erkrankt sind.

Viele Feinde der Honigbienen wie Nosema, Kalkbrut, EFB und Varroa funktionieren besser bei einem pH-Wert von Zuckersirup und pflanzen sich bei einem pH-Wert von Honig nicht so schnell fort. Dies scheint allerdings weltweit von Bienenzüchtern ignoriert zu werden. Die vorherrschende Theorie darüber, wie Oxalsäure funktioniert, ist dass das Blut der Bienen zu sauer für Varroa wird und die Varroa abstirbt, nicht aber die Bienen. Wie kann es aber hilfreich sein, den Bienen etwas zu füttern, das einen pH-Wert in einem Bereich hat, der die meisten ihrer Feinde, einschließlich Nosema, begünstigt, statt ihnen Honig zu lassen, der sich in einem pH-Bereich befindet, der für die meisten ihrer Feinde nachteilig ist.

Resümee

Mein Resümee ist folgendes: Sie müssen selber abwägen, welche Risiken es gibt. Was sind Sie bereit, in Ihren Stock und damit auch in Ihren Honig zu geben? Wie wollen Sie Ihre Bienen halten? Wie sehr vertrauen Sie auf das natürliche System oder wie sehr vertrauen Sie auf ein besseres Leben durch Chemikalien?

Michael Bush

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